Im Rahmen unseres Projektes zur Regionale Südwestfalen 2025 haben wir im Team zusammengesessen und uns zunächst einmal gefragt, wer denn eigentlich so der typische Südwestfale ist. Als es um die südwestfälischen Unternehmer ging, stellte Chris die Frage:
Vererben die Unternehmer da eigentlich den Erfolg an ihre Kinder?

Der Chef geht am Wochenende Holz machen

Begriffe wie bescheiden, verbindlich, etwas störrisch, aber authentisch charakterisieren den Südwestfalen. Jeder kennt jeden. Menschen organisieren sich in Vereinen. Internet geht nicht immer, ein Nachtleben ist kaum spürbar. Biken und Wandern – großartige Angebote, aber doch stark begrenzt. Ohne Auto geht gar nichts. Der öffentliche Nahverkehr…bitte wer?

Überdurchschnittlich viele Hidden Champions haben ihr zuhause in Südwestfalen. Südwestfalen ist eine Region erfolgreicher mittelständischer Familienunternehmen. Der wohlhabende Unternehmenschef fährt allerdings keinen Porsche, sondern einen Audi A6 Kombi, um am Wochenende noch „Holz zu machen“.

Ist Erfolg vererbbar?

In Südwestfalen – stellvertretend für viele andere Regionen in Deutschland – ist es Usus, dass Unternehmen von Generation zu Generation – vom Vater zum Sohn, vom Sohn zum Enkel – übergeben werden. Bisher galt: Solange die nachfolgende Generation einfach nur das gemacht hat, was die vorherige Generation schon erfolgreich tat und nicht auf irgendwelche spinnerten neuen Ideen kam, hatte ein Familienunternehmen das Geheimrezept für Erfolg gepachtet – Erfolg wurde vererbt!

Die Spielregeln ändern sich gerade!

Obacht! Der Erfolg ist trügerisch, denn durch die Digitalisierung und ein fundiertes Verständnis von Innovationspotentialen werden zum ersten Mal seit Jahrzehnten die Spielregeln verändert. Das birgt ein Konfliktpotential, welches traditionelle Unternehmen in den Ruin führen kann.

Der Sohn eines Badarmaturenherstellers, dessen Vater sein Geld mit der Schubkarre in die Garage fährt (wie es auch schon dessen Vater getan hat), hat möglicherweise die Zeichen der Zeit erkannt. Er weiß: Es geht nicht mehr nur darum, die nächsten 50 Jahre die gleichen Badarmaturen zu bauen, wie sie schon vor 50 Jahren gebaut wurden – durch den Druck der Globalisierung müssen Prozessinnovationen her, Vorbilder aus ganz anderen Bereichen (wie Amazon im Einzelhandel) sind zukünftig der Maßstab für Service-Innovationen, Uber zeigt, wie man ganze Geschäftsmodelle (das der Taxifahrer) innovieren kann, usw.

Nennt mir einen Grund, warum das an Badarmaturen oder irgendeiner anderen Branche vorbeigehen sollte?

Konfliktpotential in der Familie

Während der Sohn also Innovationen vorantreiben will, beschwichtigt der Vater: „Junge, das hat die letzten 50 Jahre geklappt und das wird auch die nächsten 50 Jahre klappen.“ Nein, wird es nicht! Die Zeiten haben sich geändert. Produkte, Services, Prozesse, das Management, die Organisation und das Geschäftsmodell muss hinterfragt werden. Unterzieht alles einem Stresstest, indem ihr die Frage stellt: „Und was, wenn es anders kommt?“

Lasst die Kinder ran!

Ich möchte allen Seniorchefs zurufen: Entweder ihr beschäftigt Euch intensiv mit den Mega-Trends und Innovations-Notwendigkeiten der kommenden Jahre oder aber lasst Eure Kinder ran – gebt ihnen den Raum zu innovieren, den Raum Neues auszuprobieren, den Raum auch einmal zu scheitern.

Die Erfahrung der „Alten“ (man verzeihe mir den Begriff) und das frische Know-how der Jungen ergänzt sich dabei fantastisch.
Zieht an einem Strang im Sinne des Familienunternehmens – da ist kein Platz für Sturheit, Eitelkeiten oder Besserwisser. In den nächsten Jahren entscheidet sich, wo die Reise des Unternehmens hingeht.

Gebt all denen, die das Unternehmen für die Zukunft bereit machen wollen, entsprechende Rückendeckung. Einer alleine wird nicht innovieren können – es wird jeder gebraucht.

Denn eines ist gewiss:

Erfolg ist nicht vererbbar!