„Wir müssen innovieren!“ – Unternehmen sprechen häufig von Innovationen, meinen aber oft völlig unterschiedliche Dinge. Während das Management von neuen Geschäftsmodellen spricht , meint der Ingenieur eigentlich eine Weiterentwicklung der bestehenden Produkte. Kein Wunder, dass Innovationen an sich schon im Keim ersticken, wenn nicht einmal klar ist, wovon wer spricht. Es ist Zeit, hier für Klarheit zu sorgen und einen Versuch zu wagen, Innovation zu kategorisieren.

Studien unterteilen Innovationen zunächst auf Basis von zwei Dimensionen:

  • Innovation gemessen am Grad seiner Neuheit in Technologie
  • Innovation gemessen am Grad seiner Neuheit im Geschäftsmodell

Technologie

In der Dimension Technologie bewerten wir eine Innovation danach, ob für ihre Umsetzung neue, bisher nicht eingesetzte technologische Fähigkeiten notwendig sind oder ob wir bestehende Technologien zum Vorteil des Unternehmens „einfach nur“ weiterentwickeln.

Geschäftsmodell

In der Dimension Geschäftsmodell bewerten wir eine Innovation danach, ob für ihre Umsetzung auf dem bestehenden Geschäftsmodell aufbauen können oder ob wir ein neues Geschäftsmodell durchdenken und implementieren müssten.

Aus der Kombination dieser Einordnung ergeben sich insgesamt 2×2 (also eine von 4) Möglichkeiten, eine Innovation einzuordnen und innerhalb des Unternehmens zu kommunizieren und sich so erst einmal abzugleichen.

Die 2×2-Innovationsmatrix

Routinemäßige Innovation

Technologie: Aufbau der Innovation auf Basis der bestehenden Technologie

Geschäftsmodell: Aufbau der Innovation auf Basis des bestehenden Geschäftsmodells

Beispiel: Ein Flugzeughersteller verbessert die Aerodynamik seiner Flugzeuge und sorgt für mehr Kraftstoffeffizienz oder Tragkraft.

Disruptive Innovation

Technologie: Aufbau der Innovation auf Basis der bestehenden Technologie

Geschäftsmodell: Aufbau der Innovation auf Basis eines neuen Geschäftsmodells

Beispiel: Uber disruptiert die Taxibranche mit seinem Geschäftsmodell.

Radikale Innovation

Technologie: Aufbau der Innovation auf Basis einer neuen Technologie

Geschäftsmodell: Aufbau der Innovation auf Basis des bestehenden Geschäftsmodells

Beispiel: Elektrofahrzeuge statt Verbrennungsmotoren in der Autobranche.

Architektonische Innovation

Technologie: Aufbau der Innovation auf Basis einer neuen Technologie

Geschäftsmodell: Aufbau der Innovation auf Basis eines neuen Geschäftsmodells

Beispiel: Digitalfotografie und Speichermöglichkeit für Bilder

Einordnungen von Innovationen sind selten eindeutig

Wichtig anzumerken ist, dass die Einordnung einer Innovation in eine der 4 Quadranten nicht gottgegeben und zweifellos eindeutig ist. Die richtige Einordnung hängt maßgeblich vom Ziel ab, welches das Unternehmen mit der Innovation verfolgt.

Betrachten wir die Innovation „Autonomes Fahren“: Sicher eine technologische Innovation, also radikal. Was aber, wenn ein Autohersteller sich gleichzeitig entscheidet, diese Autos nicht mehr zu verkaufen, sondern per Ride Share anzubieten. Nun rutscht die Innovation automatisch in den Bereich „architektonisch“.

Oder nehmen wir weiter an, dass dieser Autohersteller sich komplett aus dem Markt der Herstellung autonomer Fahrzeuge raushält, aber dennoch die Dienstleistung anbietet – nun sind wir im disruptiven Bereich.

Ein Unternehmen darf also selbst bei einer scheinbar eindeutigen Zuordnung nicht davon ausgehen, dass jeder Mitarbeiter die gleiche Einschätzung teilt. Insofern muss in einem Unternehmen nicht nur das „Schlagwort“ kolportiert werden, sondern die Idee dahinter ausgeführt werden.

Adapted from „Creative Construction: The DNA of Sustained Innovation“ by Gary P. Pisano