Ein Element des Innovationstrainings des Innovators Institute beschäftigt sich mit der Fehlerkultur in Unternehmen.
Was Führungskräfte dadurch lernen und wie wichtig dies für Innovation ist.

Fehler zu machen ist in vielen Unternehmen nicht vorgesehen. Gerade deutschen Unternehmen haftet das Image des Unfehlbaren an.
Deutsche Wertarbeit wird mit absoluter Fehlerfreiheit und kompromissloser Qualität gleichgesetzt. Dabei stellen wir fest, dass bei diesem Anspruch Fehlerfreiheit falsch interpretiert wird.

Es besteht ein Unterschied zwischen der Fehlerfreiheit, die ein „Endprodukt“ mitbringen muss, welches ich dem Markt anbiete und der Fehlerfreiheit im Entstehungsprozess dieses Produktes.

Ein fehlerfreies Endprodukt bedingt zwingend Fehler im Entstehungsprozess

Wir dürfen nicht vergessen, dass sich unser Image auf dem fehlerfreien Endprodukt begründet. Es ist allgemeiner Konsens, dass gerade deutsche Produkte ein höheres Ansehen genießen als Produkte ausländischer Wettbewerber. Dieses Image sollen und dürfen wir nicht verlieren. Kompromisse bei der Qualität gefährden Unternehmen und Arbeitsplätze.

Umso wichtiger ist es daher, im Entstehungsprozess – also wenn der Endkunde noch keine Berührung zum Produkt hat – Fehler bewusst zuzulassen und daraus zu lernen, um ein noch hochwertigeres Ergebnis zu erreichen.

Doch Scheitern ist in Unternehmen auch im Entstehungsprozess nicht vorgesehen, Fehler werden kritisch gesehen. Deutsche Unternehmen mangelt es an Risikobereitschaft, wenn es um Fehler geht. Jeder Mitarbeiter hat Angst vor Fehlern und will sie auch in der Entwicklung zwingend vermeiden. Ein fataler Fehler!

Verantwortlich sind die Unternehmenskultur und die Führungskräfte

Ein Unternehmen, welches nicht offensiv Risikobereitschaft propagiert, welches keine Fehlerkultur pflegt und seine Mitarbeiter „bestraft“, wenn sie Fehler machen, sorgt für Angst. Und wer Angst hat, ist wenig bereit, Neues auszuprobieren.

Verantwortlich sind zumeist die Führungskräfte, da sie maßgeblich für das Arbeitsklima und die gelebte Unternehmenskultur verantwortlich sind. Wenn Mitarbeiter dazu neigen, aus Sorge vor den Konsequenzen Fehler zu vertuschen, verhindern sie, aus Fehlern zu lernen.

Und wenn Sie sich selbst reflektieren, werden Sie sicher zustimmen, dass man aus Fehlern mehr lernt als aus den Dingen, die geklappt haben.

Was läuft falsch in unserer Fehlerkultur?

Sei es der Dieselskandal, Flugzeugabstürze oder auch misslungene Operationen im Krankenhaus – Skandale und fatale Fehler lassen sich meist auf Menschen zurückführen. Auf Menschen, die Sorge hatten, einen Fehler zuzugeben, weil am Ende eh nur nach dem „Schuldigen“ gesucht wird und auf Menschen, die sich nicht getraut haben, auf Fehler hinzuweisen, weil es an einer gesunden Fehlerkultur mangelte.

Würde eine Krankenschwester einen operierenden Arzt auf einen möglichen Fehler hinweisen oder sind die Hierarchien zu starr? Was wäre das persönliche Schicksal der Person gewesen, die die Richtigkeit der Dieselmanipulationen offen angezweifelt hätte. Sagt der Flugzeugingenieur, dass er einfach überlastet ist und keine Zeit für eine gründliche Wartung hatte, bevor der Flieger abhob?

Fehlerkultur – ein Freibrief für jeden Mitarbeiter?

Nein, ganz bestimmt nicht! Fehler sind nie gut, aber sie geben die Chance, aus ihnen zu lernen, wenn darüber gesprochen wird. Dabei beziehen wir uns auf Fehler, die begründet sein müssen. Fehler bei der Entwicklung eines neuen Produktes, Fehler bei der Absicht, einen Prozess zu verbessern, Fehler bei der Etablierung eines neuen Geschäftsmodells. Explizit geht es nicht um „dumme Fehler“, Leichtsinnsfehler, sich wiederholende Fehler oder Fehler aus Bequemlichkeit, Faulheit oder gar Gleichgültigkeit. Für die letzteren darf es keine Entschuldigung geben.

Keine Innovation ohne Fehlertoleranz

Der Begriff „Innovation“ impliziert schon, dass wir uns hier in einem neuen, bisher nicht betretenen Terrain bewegen. Ein Unternehmen muss bereit sein, Fehler im Rahmen von Innovationen zuzulassen – bis hin zum völligen Scheitern einer Innovation.

Erwartet ein Unternehmen Innovationserfolge nach dem Motto „Jeder Schuss ein Treffer“ kann dies nur nach hinten losgehen. Um weiter in Bildern zu sprechen gilt für Innovationen eher „Man muss viele Frösche küssen, bis man seinen Prinzen findet“ und sich dabei nicht entmutigen lassen.

Eine gescheiterte Innovation zum Maßstab für die eigene Innovationsfähigkeit zu deklarieren, ist genauso wenig richtig, wie an offensichtlich kaum umsetzbaren Innovationen auf Gedeih und Verderb festzuhalten. Beharrlichkeit, Ausdauer, Risikobereitschaft und Neugier sind die gefragten Treiber. Fehler zu machen gehört dazu.

Fazit

  • Unterscheiden Sie also zum einen zwischen Fehlern im Endprodukt und Fehlern im Entstehungsprozess (oder auch in der Trainingsphase).
  • Entwickeln Sie keine pauschale, sondern eine durchaus diversifizierte Fehlerkultur. Fehler, die im Rahmen von Aktivitäten aufkommen, die die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zum Ziel haben, sind anders zu behandeln als Fehler, die aus Leichtsinn oder Gleichgültigkeit entstehen.
  • Fördern Sie eine vernünftige Risikobereitschaft.
  • Schaffen Sie eine „Blame Culture“ ab, also die Suche nach dem Schuldigen.
  • Verabschieden Sie sich von dem Anspruch an Ihre Mitarbeiter, dass jede Innovation beim ersten Mal sitzen muss.
  • Begünstigen Sie eine Kultur, dass auch Mitarbeiter weiter unten in der Hierarschie ohne Konsequenzen höher gestellte Mitarbeiter auf Fehler hinweisen oder zumindest hinterfragen dürfen.
  • Schulen Sie insbesondere Ihre Führungskräfte in dem Umgang mit der Fehlerkultur. Seien Sie bei Führungskräften, die sich nicht an die Fehlerkultur halten, deutlich konsequenter als bei jedem anderen Mitarbeiter.