Die Herausforderung
Unternehmen wollen und müssen innovieren. Viele Innovationsaktivitäten scheitern allerdings.
Die Gründe
Unternehmen suchen nach Antworten, ohne sich zunächst die richtigen Fragen gestellt zu haben.
Die Ausreden
5 Mythen, die so plausibel erscheinen, aber dennoch falsch sind.

Warum ist Innovieren alternativlos?

Unternehmen mit einem attraktiven Produkt oder Dienstleistung stehen laufend im Wettbewerb.

Der Grund liegt auf der Hand: Wenn das Unternehmen Geld verdient, möchte auch jemand anderes dieses Geld verdienen und dem derzeitigen Marktführer Anteile oder Aufträge abgreifen. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Wettbewerb bereits dabei ist, das lukrative Produkt zu innovieren, indem es dieses besser, einfacher oder billiger macht. Im schlechtesten Fall führt das dazu, dass ein Unternehmen langfristig nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

Die alternativlose Antwort auf Wettbewerb ist das Innovieren.

Viele Innovationsinitiativen scheitern – aber warum?

Die Gründe

Kinder sind großartige Fragesteller

Warum ist der Himmel blau? Warum kann ich die Luft nicht berühren? Warum stinken meine Fußballschuhe nach Käse? Alle Kinder sind neugierig und begierig darauf, ihre Welt zu verstehen. Und ihre wichtigsten Werkzeuge sind Fragen.

Leider ist unser Schulsystem so aufgebaut, dass Kinder vergessen, intelligente Fragen zu stellen. Es konzentriert sich ganz auf Antworten und Informationen.
Bei jeder Prüfung geht es nur darum, die richtige Antwort zu geben. Niemand hat die Zeit und den Wunsch, das „Warum“ zu erforschen.

Spätestens wenn wir unseren ersten Job annehmen, haben wir alle vergessen, die richtigen Fragen zu stellen und so neugierig zu sein wie ein Kind. Das Stellen von Fragen in einem Geschäftsumfeld wird oft als Schwäche angesehen. Der Kerl mit allen Antworten ist der Held. Gerade Top-Manager sind oft zu eitel, um Schwachstellen durch Fragen zu zeigen. Stattdessen behaupten sie nur eine Halbwahrheit. Eine starke Behauptung ist besser als ein schwacher Beweis. Das ist schade, denn je älter wir werden, desto mehr könnten wir mit cleveren Fragen erreichen.

Ineffiziente Brainstorming-Sitzungen

Wie funktionieren sie? Normalerweise geht es so: „Oh, wir könnten dies und das machen“, „Hier ist meine Idee.“ und „Wir sollten das versuchen!“ Dutzende von Ideen liegen auf dem Tisch. So weit, so gut. Was für ein kreativer Haufen Leute. Aber was Sie vielleicht vergessen, ist: Sind das wirklich die Antworten auf relevante Fragen zur Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens? Wäre es nicht viel sinnvoller, bei nach „Brainstorming nach Fragen“ statt „Brainstorming nach Antworten“ zu betreiben?

Fragen sind ein mächtiges Werkzeug, um Werte in Organisationen zu erschließen

Sie unterstützen das Lernen und den Austausch von Ideen, sie katalysieren Innovation und Leistungssteigerung, sie bauen Beziehung und Vertrauen zwischen den Teammitgliedern auf. Und sie können das Geschäftsrisiko, die völlig falsche Innovation zu betreiben, senken, indem sie unvorhergesehene Fallstricke und Gefahren aufdecken

Der Aufbau von Innovationsfähigkeiten ist eine mehrjährige Reise und kein „diesjähriges Ziel“.

Normalerweise ist Innovieren kein Kernprozess in einem Unternehmen, sondern eine typische Reaktion, wenn sich das Wachstum eines Unternehmens verlangsamt hat und der CEO oder ein anderer Senior Leader entscheidet, dass Innovieren der Schlüssel zur Lösung des Problems ist. Leider ist es nicht so einfach. Innovieren ist kein Projekt mit einem Anfang und einem Ende, Innovieren gehört zur DNA eines Unternehmens.

Innovieren ist nicht wie Fahrrad fahren

Haben Sie einmal gelernt, Fahrrad zu fahren, können Sie auch nach Jahren sofort wieder auf das Rad steigen und losfahren. Innovieren ist wie Muskeltraining. Solange Sie trainieren, wächst Ihr Muskel und Sie bleiben stark. Wenn Sie aufhören, den Muskel zu trainieren, geht er zurück und nach Monaten des Nicht-Trainings werden Sie nicht in der Lage sein, die gleichen Gewichte anzuheben, wie Sie es in Ihrer besten Phase getan haben. Sie müssen bei Null anfangen. Es reicht nicht, eine Runde um den Block zu fahren, um wieder das richtige Gefühl zu bekommen. Sie müssen diese Fähigkeiten von Grund auf neu aufbauen. Sie müssen ein völlig neues Organisationssystem schaffen und eine neue Kultur etablieren.

Unternehmen neigen dazu, Innovieren eher wie Fahrradfahren als Muskeltraining anzusehen. Innovieren ist für viele ein Projekt und keine Philosophie. Sobald das Innovationsprojekt abgeschlossen ist, werden die Gewichte und Langhanteln im Keller verriegelt und wenn Sie wieder trainieren (d.h. innovieren) wollen, nehmen Sie sie heraus und beginnen von vorne.

Das sind harte Brocken. Aber bedenken Sie nun, dass Sie all dies innerhalb eines bestehenden Unternehmens mit bestehenden Systemen und Prozessen, bestehenden Strukturen und einer tief verwurzelten Kultur tun müssen.

Welch eine Zeitverschwendung!

Innovation ist eine Fähigkeit, die es aufzubauen gilt. Das ist hart und riskant. Aber es schafft echten Wert und nachhaltigen Vorteil, indem es die Stärken eines Unternehmens nutzt.

So schwierig es auch ist, ein innovatives Unternehmen von Grund auf aufzubauen – die Aufgabe, die Innovationsfähigkeit einer bestehenden Organisation zu erhalten und zu verjüngen, ist noch schwieriger. Während Unternehmensgründung wie der Bau eines neuen Hauses von Grund auf ist, ist Innovieren wie die Renovierung eines Hauses, während man in ihm lebt.

Fehlende Innovations- und Methodenkompetenz bei Management und Mitarbeitern und ein gelebtes Trial & Error-Prinzip führen regelmäßig zu Fehlinvestitionen in Millionenhöhe. Das frustriert und führt zu Resignation.

Es gibt kaum ein Unternehmen in den letzten hundert Jahren, welches eine signifikante Größe erreicht hat, ohne zu innovieren. Je größer und je erfolgreicher allerdings ein Unternehmen wird, umso schwieriger ist es, erfolgreich zu innovieren. Viele Unternehmen zerbrechen an der Unfähigkeit, das Innovationstempo aufrechtzuerhalten, das sie selbst in der Zeit ihrer Stärke mitgestaltet haben.

Wissenschaftliche Studien begannen in den 1980er Jahren, um die zugrunde liegenden Gründe aufzudecken, warum einst erfolgreiche Unternehmen letztendlich von den Winden der kreativen Zerstörung weggefegt werden könnten:

  • Trägheit
  • Wachsende Bürokratisierung
  • Verlust der Risikotoleranz
  • Angst vor der Kannibalisierung bestehender Produkte
  • eingefahrene Prozesse für F&E
  • Engagement für bestehende Technologien und Anlagen
  • Religiöses Festhalten an aktuellen Geschäftsmodellen
  • Übermäßige Abhängigkeit von fehlerhaften Finanzkennzahlen
  • Kurzsichtigkeit des Managements

5 Mythen über Innovation

Warum sie plausibel scheinen und warum wir falsch liegen.

Mythen stellen eine subtile Falle dar, die selbst kluge Menschen dazu bringen, sie zu glauben. Sie basieren in der Regel auf einer plausiblen Halbwahrheit und werden von persönlichen Glaubenssätzen unterstützt.

Schlimmer noch: Das Handeln entsprechend der Mythen führt nicht unmittelbar zu  Konsequenzen. Erst im Laufe der Zeit erwacht das Bewusstsein, dass man einen Fehler gemacht haben könnte. Doch die einstmals getroffenen Entscheidungen können nicht rückgängig gemacht werden und der Schaden ist selten abwendbar.

Wir begegnen Mythen in den meisten Bereichen des menschlichen Handelns. Auch Innovation ist davon betroffen. Wir treffen regelmäßig auf Unternehmen, die dem Charme des Mythos unterliegen. Hier sind fünf der gefährlichsten Innovations-Mythen, die uns in unserer Tätigkeit in Unternehmen begegnen.

Warum es plausibel scheint

Der Weg zur Spitze war hart! Sie erhalten Lob und Bewunderung von allen Seiten. Ihre Umsätze und Gewinne sprudeln. Sie kennen sich aus. Warum sollten Sie etwas ändern? Sie machen doch offenbar alles richtig. Außerdem ist Ihre gesamte Organisation auf die bestehenden Produkte und Prozesse ausgerichtet. Sollten Sie etwa ein Risiko eingehen?

Warum Sie falsch liegen

Nun, sind Sie erfolgreich? Das möchte Ihr Wettbewerb auch! Sind Sie sicher, dass dieser nicht gerade dabei ist, Ihr Angebot effizienter, einfacher, günstiger oder besser zu gestalten, um Ihnen wertvolle Marktanteile abzunehmen? Ihr Risiko reduzieren Sie durch Innovation! Halten Sie nie unreflektiert an alten Gewohnheiten fest. Erfolgreiche Strategien von gestern gelten nicht zwangsläufig für morgen.

Warum es plausibel scheint

Innovation gehört nicht zu den Kernprozessen Ihres Unternehmens. Entsprechend gering ist der Stellenwert von Innovationsaktivitäten. Im Grunde stören sie nur das Tagesgeschäft und werden nicht als wertschaffende Arbeitszeit angesehen. „Dafür müsste ich meinen Mitarbeitern ja freigeben“ ist kein ungewöhnlicher Gedankengang. Das Daily Business hat schließlich doch immer Vorrang.

Warum Sie falsch liegen

Ohne Innovation kein Fortschritt, ohne Fortschritt keine Zukunft. Innovation muss den gleichen Stellenwert in Ihrem Unternehmen haben, wie jeder andere Geschäftsprozess auch. So wichtig das Tagesgeschäft kurzfristig ist, so wichtig sind Innovationen langfristig. Es geht nicht um die nächsten 3 Monate, es geht um die nächsten 10 Jahre. Verdienen diese nicht mindestens die gleiche Beachtung?

Warum es plausibel scheint

Im ingenieurlastigen deutschsprachigen Raum wird Innovation allzu oft reduziert auf: „Wie machen wir unser bestehendes Produkt noch einen Tick besser?“ Unternehmen haben oft eine unvollständige Wahrnehmung von Innovation und lehnen sich mit dem Glauben zurück, dass eine R&D-Abteilung und ein (meist nicht funktionierendes) betriebliches Vorschlagswesen oder KVP-System ausreicht.

Warum Sie falsch liegen

Wissen Sie, dass es viele weitere Innovationsfelder gibt? Neben Produkten innovieren Sie Prozesse, Services, Management, Organisation und Geschäftsmodelle. Das Erfolgspotential in unbeachteten Innovationsfeldern stellt sich oftmals als viel relevanter heraus als die reine Konzentration auf Produktinnovationen mit ihrem abnehmenden Ertragszuwachs.

Warum es plausibel scheint

Neue Technologien sind ohne Zweifel häufig Treiber von Innovationen. Darüber wird in Medien und Publikationen ausführlich berichtet. Kein Wunder, dass die meisten Menschen Innovation mit radikalen, gesellschaftsverändernden Errungenschaften wie E-Mobility oder disruptiven internetbasierten Geschäftsmodellen gleichsetzen. Doch damit haben Sie selbst ja gar nichts am Hut.

Warum Sie falsch liegen

Tatsächlich sind schätzungsweise 90% aller Innovationen inkrementeller Natur. Sie bauen sich schrittweise aus Bestehendem und Bekanntem auf. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für Ihr Unternehmen – die kreative Weiterentwicklung von Produkten, Prozessen oder Services ist für Ihr Unternehmen so bedeutend wie ganz neue Technologien für die Gesellschaft.

Warum es plausibel scheint

Der Wunderwuzzi! Er macht Ideen zu Innovationen. Er spricht die Sprache der F&E-Abteilung ebenso, wie die des Controllings und des Vertriebs. Er weiss über alle Trends Bescheid. Er versteht, was Ihr Kunde will. Und er kämpft für eine Idee, selbst wenn der größte Widerstand aus dem eigenen Unternehmen kommt.

Warum Sie falsch liegen

Ein Innovationsmanager steht allein auf weiter Flur, wenn er nicht vom Senior Management ständig protegiert und seine Position exponiert wird. Alle Führungskräfte müssen das gleiche Verständnis seiner Aufgabe haben. Innovationen sind heutzutage bereichsübergreifend und vernetzt. Innovation ist die Grundaufgabe eines jeden Mitarbeiters – vom Gesellschafter bis zum Hausmeister.

Welche Belege gibt es für erfolgreiche Innovatoren?

Wenn Innovation einfach wäre, könnte es jeder tun, und dann könnte Innovation nicht mehr eine Quelle des Vorteils sein.
Der Wettbewerbsvorteil beruht auf dem Besitz einzigartiger und schwer nachzuahmender Fähigkeiten und Fähigkeiten.

Die Gruppe der innovativsten 20% der Unternehmen ist in den letzten 3 Jahren um fast 16% schneller gewachsen als die Nachzügler.

In den kommenden 5 Jahren werden diese 20% der innovativsten Unternehmen um fast 38% erfolgreicher sein als die Nachzügler.

Quelle: PWC – Innovation – Deutsche Wege zum Erfolg

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